| "Große Eva", 2009, Holz, farbig gefasst | |
| "Der Stille", 2008, Holz, farbig gefasst | |
| "Manager", 2009, Holz, farbig gefasst | |
| "Kleiner Mönch", 2006, Holz, farbig gefasst | |
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1964 |
geboren in Jena |
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1992-1998 |
Studium Freie Kunst (Plastik) an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bei Prof. Christa Biederbick |
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1994-1995 |
Studienaufenthalt an der Visva-Bharati-University Santiniketan, Indien |
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1998 |
Diplom Meisterschülerin bei Prof. Christa Biederbick |
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2001 |
Stipendium der Stiftung Kulturfonds, Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop |
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2002-2003 |
Weiterbildung im Multi-Media-Bereich |
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2004 |
Arbeitsstipendium des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Kunstpreis der "artthuer 2004" |
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1997 |
Landtag Rheinland-Pfalz, Mainz |
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1998 |
Rauminstallation, Eltville am Rhein Kunstverein Eisenturm, Mainz |
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1999 |
Internationale Bildhauerwerkstatt, Naumburg Bildhauersymposium der Universität Mainz, Italien Kunstverein, Mainz |
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2000 |
Sparkasse Mainz 5. Kunstinstallation Arthur Andersen, Frankfurt/Main Kulturbahnhof, Kassel Internationales Bildhauersymposium, Weißenfels Galerie Rothamel, Jena |
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2001 |
Galerie des VBK, Erfurt Art Innsbruck |
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2002 |
X-Fab GmbH, Erfurt Stadtmuseum Jena Landesfunkhaus Schwerin Landeskunstausstellung, Erfurt |
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2004 |
"Bildpodium", Kunsthalle Erfurt Kunststipendiaten des Landes Thüringen, Mühlhausen "Passage 04", Kunstsammlungen, Gera "artthuer 2004", Erfurt |
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2006 |
"artthuer 2006", Erfurt |
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2007 |
Galerie des VBK, Erfurt Galerie Charlier, Berlin Galerie Töplitz |
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2008 |
Galerie Charlier, Berlin "artthuer" 2008, Erfurt |
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2009 |
Jagdschloss Wermsdorf Riverloft, Düsseldorf |
Kloster Pforta, Naumburg
Weißenfels
Lugnano in Teverina / Italien
Kunstsammlung Arthur Andersen, Frankfurt/Main
Thüringer Museum für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Stadtmuseum Jena
Marktplatz, Ruhla
Schlosspark, Melzungen
private Sammlungen
Gisela Eichardt, 1964 in Jena geboren, studiert von 1992-1999 Freie Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz – ab 1998 als Meisterschülerin – bei Prof. Christa Biederbick. Allein mit Christa Biederbick als Lehrerin, einer renommierten Vertreterin der realistischen Bildhauerei – übrigens im letzten Jahr mit einer Ausstellung ihrer lebensgroßen Polyesterplastiken in der Galerie Kontrapost präsent – ist der Weg zur figürlichen Plastik für Gisela Eichardt gebahnt. Zwischenwege führen sie 1994-1995 zu Studienzwecken nicht etwa nach Italien oder Frankreich, sondern – aus Begeisterung für das Exotische, das Märchenhafte – an die Visva-Bharati-Universität in Santiniketan in Indien. Es entstehen vor allem Zeichnungen und Skizzen von Menschen, besonders von Menschen in Bewegung, von tanzenden Menschen – möglicherweise ein irritierender Aspekt beim aktuellen Blick auf die relativ statischen Werke Gisela Eichardts: die Faszination der äußeren Bewegung hat sich ziemlich schnell erschöpft und in den Skulpturen eine Umwandlung zur inneren Bewegtheit erfahren.
Ausgezeichnet mit verschiedenen Stipendien, u.a. einem Stipendium des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, wird Gisela Eichardt unmittelbar nach dem Studium das freie Arbeiten als Bildhauerin ermöglicht. Von 2002-2004 ist sie außerdem im Kunstbeirat des Freistaats Thüringen tätig. 2004 erhält sie den Kunstpreis der Thüringer Kunstmesse „artthuer“.
Mit vielen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, z.B. Landtag Rheinland-Pfalz/Mainz, Kulturbahnhof Kassel, Stadtmuseum Jena, Landesfunkhaus Schwerin, Kunsthalle Erfurt, Kunstsammlungen Gera, Galerie Charlier/Berlin und seit neustem in Düsseldorf macht sie sich einen Namen unter den realistisch arbeitenden Holzbildhauern.
Ihre Werke sind im öffentlichen Raum, u.a. im Kloster Pforta/Naumburg, auf dem Marktplatz in Ruhla, in Lugnano in Teverina/Italien sowie in einigen Sammlungen, z.B. der Kunstsammlung Arthur Andersen in Frankfurt/Main, im Thüringer Museum für Wissenschaft, Forschung und Kunst, im Stadtmuseum Jena und natürlich in privaten Sammlungen zu finden.
Das große Thema im Oeuvre von Gisela Eichardt ist der Mensch – das Porträt meist unspektakulärer Personen, deren Typus die Bildhauerin in irgendeiner Weise reizt. Manche – wie Sabine oder Antje – sind mehrfach vertreten, sozusagen als Serie gefertigt, aber immer individuell. Zunächst beobachtet sie ihr Gegenüber mit der Kamera, um dann aus zahlreichen festgehaltenen Momenten den Augenblick zu erfassen, der das Wesen, den authentischen Ausdruck der jeweiligen Person wiedergibt.
Die Figuren: meist rundum plastische Büsten oder Köpfe in Holz – manchmal auch Gips –, mit einer Hauptansicht geschaffen. Sie vertragen den Blick aus der Ferne, den gewissen Abstand, um als Ganzes wahrgenommen zu werden – obwohl sie auch im Detail faszinieren.
In unaufgeregter Pose festgehalten, ohne ausgreifende Bewegung. Mit geschlossenem Kontur. Äußerlich still, aber im Inneren lebendig. Das Höchstmaß an äußerer Regung zeigt „Houika“: der Kopf zur Seite gedreht, die Augen weit geöffnet, die Brauen leicht nach oben gezogen. Sie scheint tatsächlich ein Ziel zu verfolgen, während der Blick der übrigen Figuren trotz geöffneter Augen (mit Ausnahme des „Alten Mönches“) nach innen gerichtet ist.
Die Gesichter fein gezeichnet, im langen Prozess herausgearbeitet, der jedoch als solcher keine Spuren hinterlässt: es zählt allein das Ergebnis, nicht der Ablauf der Figuration. Nur zu
erahnen die unzähligen Beitelstiche, glatt geschliffen zu einer Fläche, unter der sich eine Gedankenwelt verbirgt, die entdeckt werden will.
Die Gesichter jeweils als ein Gegenüber, das auch den Blick des Betrachters ins Innere führt. Vielleicht deswegen das Thema Mönch, das wohl im Zusammenhang steht mit dem Studienaufenthalt der Künstlerin in Indien: Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, mit essentiellen Fragen des Lebens.
Das Thema der Wartenden: das Mädchen mit den Absatzschuhen, dem bauchfreien Shirt, den stark geschminkten Augen und der viel zu großen Tasche. Warten aufs Erwachsensein und noch Jahre davon entfernt. Die „Kleine Schwangere“ in Erwartung neuen Lebens, der „Manager“ mit dem erwartungsvollen Blick auf die Börsenergebnisse …
Andererseits die menschliche Gestalt als Relief, als Mischform zwischen Plastik und Zeichnung, als plastische Zeichnung, farbig gefasst. Nur wenig erhaben treten die Gesichter und Figuren aus dem Reliefgrund hervor, sehen uns an oder an uns vorbei, bewahren ihr kleines Geheimnis hinter dem Rücken oder sonst wo, während der Hintergrund als undefinierter leerer Raum zurückbleibt. Und dann:„Große Eva“ – Titel der Ausstellung und Titel der großen Figur, deren Format es in mehrfacher Hinsicht zu bewältigen gilt. Nun steht sie hier, nachdem sie für das große Publikum festgehalten wurde als Kulisse im neuen Film von Tom Tykwer mit dem Titel „Drei“, der gerade in Berlin und Brandenburg gedreht wird und voraussichtlich im Spätsommer 2010 in die Kinos gelangt. Angekündigt als tragikomischer Film über Liebe und Moral. Auslöser der dramatischen Dreierbeziehung: der „ebenso fremde wie faszinierende Adam“. Wenn das nicht passt …
Natürlich wurde die „Große Eva“ nicht als Kulisse geschaffen. Ausgangspunkt war das Foto einer türkischen Frau mit beeindruckender Haarpracht in einer Zeitung, aufgenommen von der Künstlerin Herlinde Koelbl, das jedoch nicht die gesamte Haarlänge jener Frau preisgab und somit Gisela Eichardts Fantasie bezüglich der endenden Haarspitzen beflügelte. Die Frau und ihr Haar – immer ein Problem und als Thema immer aktuell.
Das Haar: als Träger von Lebenskraft, bei den Alten Griechen sogar Sitz des Lebens. Um im Besitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte zu bleiben, ließen sich Krieger und Priester die Haare nicht schneiden. Und so mancher Held wurde durch Abschneiden einer Locke entmachtet. Das Abschneiden der Haare im Mittelalter als entehrende Strafe.
Wir denken auch an Rapunzel.
Und was wird nicht alles für Haarwuchs und Haarpracht getan: mit Haarfarbe, Haarspray, Haarwasser, Haarnadel, Haarband, Haarschnitt und Haartrockner – gegen Haarausfall und Haarspaltung!
Und dann die Farbe Rot. Reizfarbe. Das ambivalente Rot: Farbe des Lebens, der Leidenschaft und der Liebe. Auch Farbe der Macht. Zugleich Farbe der Sünde und des Todes. Rot bedeutet Gefahr. Ampelrot. Und das rote Haar der Hexen …
Die „Große Eva“ mit rotem Haar.
Eva: das heißt „Leben“ oder „Mutter alles Lebendigen“. Natürlich kennen wir die Geschichte dieser Urmutter, aus der Rippe Adams geschaffen als seine Gehilfin, die sich von der listigen Schlange zum Übertreten eines strikten Verbots überreden lässt, dafür aus dem Paradies verbannt und mit ewigem Geburtsschmerz bestraft wird.
Eva als Metapher für die Sinne, die durch die Lust – die Schlange – verführt werden und die Vernunft – dafür steht Adam, der „Mensch“ – gefährden. Darüber lässt sich streiten …
Das Haar der „Großen Eva“: rot und fast unendlich lang, dann aber schlangenartig entwickelt zu blutigen Nabelschnüren, die in alle Himmelsrichtungen ein Baby umsorgen. Die schöne Eva, sinnlich und nackt, einsam und mit ihrem Nachwuchs nur noch äußerlich verbunden, verhüllt und gefesselt durch ihre Haarpracht, mit der sie verführt und sich zugleich – wie hinter einem Vorhang – vor begehrenden Blicken schützt.
Sie dürfen trotzdem schauen ...
Susanne Ulbrich
Aktuelle Ausstellung:
VOLKER MÄRZ
"Affenstillstand"
21.03.-11.05.2012
Nächste Ausstellung:
KARL-HEINZ APPELT
"Form. Maß. Sinnlichkeit."
23.05.-20.07.2012
Vernissage: 23.05.12, 20 Uhr