zum Inhalt

Galerie Kontrapost

Skulpturen | Plastiken | Objekte

Kristof Grunert
 

   
"Stoffschwein", 2004, Bronze  
 
"Nashorn", 2001, Bronze, farbig gefasst  

Vita

1977

geboren in Dresden

1997-1998

Studium der Forstwissenschaften in Tharandt

1998-2000

Ausbildung zum Steinmetz in Dresden

2000-2005

Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

2003

Auslandsaufenthalt an der Glasgow School of Art 

2005-2006

Meisterschüler bei Prof. Berndt Wilde 

2006

Lehrauftrag Aktzeichnen an der TU Dresden  

Preise

2006

1. Preis beim Wettbewerb "Moderne Tierplastik" der Porzellanmanufaktur Meissen

2007

Sächsischer Skulpturenpreis der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz

Ausstellungen und Projekte (Auswahl)

2003

Mulberry Gallery Glasgow

 

"Wege zur Kunst", Galerie Pankow, Berlin

 

"Ernte 03", Klostergalerie Zehdenick

2004

"Grunert und Schwarzbach", Berlin-Weißensee

 

"Berliner Bildhauer", Kirche Hohenschönhausen, Berlin

2005

"Berliner Eisenkunstguss", Märkisches Museum, Berlin

 

Diplomausstellung der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

2006

"Zeprano", Galerie im Turm, Berlin

 

"Tierplastik im 20. Jh.", Schlosskirche Neustrelitz (mit Katalog)

 

"Mit Papier auf Papier", Galerie Pankow, Berlin (mit Katalog)

 

"Tierplastiken in Meissner Porzellan", Porzellanmanufaktur Meissen

 

"Des Künstlers Raum", Motorenhalle, Dresden

 

"Maestro", Meisterschülerausstellung der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

2007

"Prolog I", Ausstellung und Veröffentlichung der Zeitschrift, Berlin

 

"Sächsischer Skulpturenpreis der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz" (mit Katalog)

 

"Schwarz und Weiß", Museum Schloss Schwarzenberg (mit Katalog)

 

Sommergalerie Lichtenberg

2008

"Stofftier", Galerie Kontrapost, Leipzig

 

Kristof Grunert, 1977 in Dresden geboren, beginnt zunächst mit einem Studium der Forstwissenschaften in Tharandt, absolviert dann aber eine Lehre als Steinmetz in Dresden. Von 2000 bis 2006 studiert er schließlich Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, mit integriertem Auslandsaufenthalt in Großbritannien, an der Glasgow School of Art. Ab 2005 ist er Meisterschüler bei Prof. Berndt Wilde. Seit 2006 arbeitet er als freischaffender Bildhauer, außerdem als Lehrbeauftragter für Aktzeichnen an der TU Dresden.
Seine Werke sind präsent bei Ausstellungen u.a. in Glasgow, Berlin, im Märkischen Museum Berlin, in Dresden, Meißen, Chemnitz, Leipzig, Pirna und im Kunstverein Jena. Im öffentlichen Raum macht er auf sich aufmerksam mit dem 1. Preis beim Wettbewerb „Moderne Tierplastik“ der Porzellanmanufaktur Meissen 2006, dem Sächsischen Skulpturenpreis der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz 2007 oder mit dem Ankauf seiner Arbeit „Großer Wolf“ durch die Kulturstiftung Sachsen für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2010.

„Stofftier“ war der Titel seiner ersten Ausstellung in dieser Galerie. Vielleicht erinnert sich jemand an den „Großen Geparden“ im Zentrum, aus Stoffbahnen, Stricken und Bindfäden geformt, gewickelt, gebunden, geknotet. Es ging um Material und dessen Oberfläche. Um das Verhältnis der äußeren Hülle zum dargestellten Objekt. Um Stoff und Stofflichkeit. Um die Eigenart eines Stoffes und wie man diesen in Form bringt. In Tierform. Oder ihn bändigt mit Faden und Draht. Es ging um die Wertigkeit eines Stoffes und auch um die Aufwertung, wenn er zu Bronze wird.
Das ist geschehen und im Fall des „Großen Geparden“ eine schwer wiegende Entscheidung des Künstlers. Der Guss in Bronze – nicht nur finanziell eine Last, erst recht bei diesem Format: Veränderungen, Korrekturen, Umformungen sind ein letztes Mal zu bedenken, bevor sich die originale Form in ein für alle Zeiten bleibendes Kunstwerk verwandelt.
Und was ist geblieben? Der Gepard in eleganter Haltung. Festgehalten im Moment, in dem er wohl seine Beute wittert. Gespannt bis in die Schwanzspitze, unmittelbar und jederzeit bereit zum Sprung, in drei Sekunden von Null auf Hundert!
Geblieben ist die geschlossene Linie des Kontur, die Linienführung der Stricke und Fäden, mit denen wir das Skelett, die Rippen, Muskeln und Sehnen assoziieren, aber auch lineare Fortbewegung, Geschwindigkeit, Energie und Kraft. Die grün schimmernde Patina ersetzt die vorher farbigen Stoffe, schafft den Bezug zur Natur, ohne naturalistisch nachzuahmen.

„Raubzeug“ als Titel dieser Ausstellung. Im Duden zwischen „Raubwild“ und „Raubzug“ angeordnet, bezeichnet dieses Wort in der Jägersprache alle nicht jagdbaren Raubtiere, die dem Nutzwild nachstellen bzw. ihm vermeintlich Schaden zufügen. Das werden in unseren Breiten weder Gepard noch Löwe sein. Und doch stehen sie hier, mitten in Leipzig, umgeben von Landschaftszeichnungen – wenn man Bäume als Landschaft versteht: Buche, Pappel, Linde oder Lebensbaum, skulptural aufgefasst und als plastische Landschaft vereint am Waldrand, am Ufer, im Schnee …
Aber das ist ja selbstverständlich, seitdem es zoologische Gärten gibt: exotische Tiere im sächsischen Terrain, zum Greifen nah, das Gebrüll des Löwen im Rosental …
Der Löwe, Panthera leo, mit dem sich so manche Stadt und manches Land schmücken – auch Dresden und Leipzig –, stilisiert auf unzähligen Wappen.
Als „König der Tiere“, als princeps omnium bestiarium, wird er dem Herrscher gleichgesetzt, wird er zum Symbol imperialer Macht.
Wer unter dem Sternzeichen des Löwen geboren ist, gilt als stolz, erhaben und durchsetzungsstark.
Götter erscheinen in Löwengestalt, im Mithraskult ist es die Sonne.
Der Löwe bewacht Königsthrone, Gräber, Tempel und nach altägyptischer Vorstellung den Ein- und Ausgang der Unterwelt.
Im Alten Testament verkörpert er den alles verschlingenden Abgrund – wir denken auch an David in der Löwengrube –, im Neuen Testament symbolisiert er Christus und den Evangelisten Markus.
Allerdings – nach Aussage des Vinzenz von Beauvais – bekommt er Fieber durch den Anblick des Menschen, „aber wenn er es hat, so frisst er einen Affen und ist wieder geheilt“.
Ambivalent also in seiner Bedeutung steht er für Leben, Tod und Auferstehung.

Das alles schwingt mit beim Betrachten der Löwinnen Kristof Grunerts, und doch erklärt er das Tier zum eigenständigen Objekt, losgelöst von allegorischen Bezügen und narrativen Elementen. Ihm geht es um das Erfassen und konstruktive Veranschaulichen des Wesentlichen, um typische Merkmale, um artspezifische Körperhaltung – ob im Liegen oder beim Laufen, realistisch gearbeitet in Stuck oder Bronze oder aufs Äußerste reduziert in Form der gebogenen Stahlrohre.

Er entscheidet sich – bis auf eine Ausnahme – für die weibliche Form: den zierlicheren Körper, den Kopf ohne imposante Mähne – obwohl diese darzustellen sicher eine Verlockung für jeden Bildhauer wäre.
Die Löwin, spezialisiert und verantwortlich für die Jagd, muss sich nicht durch üppige Haarpracht behaupten – nur schnell sein und clever, um die Beute nach wenigen Sprüngen zu erledigen, den Nachwuchs zu ernähren, nachdem zuerst die Rudelführer ihren Löwenanteil eingefordert haben. Sie muss sich stark machen für ihre Jungen und diese, kommt ein neuer Herrscher, verteidigen – oder unterlegen zusehen, wenn er ihnen an den Kragen geht, um bald darauf durch eine möglichst schnelle Paarung für die Verteilung der eigenen Gene zu sorgen. Dazu muss sie bereit sein – nach menschlichem Maß eine grausame Vorstellung …

Die Löwin, flink, flexibel und wendig, konzentriert auf die aktuelle Situation, mit wachem Blick nach vorn, denn es gilt zu überleben. In dieser charakteristischen Eigenart hat sie Kristof Grunert als „Große Löwin“ festgehalten, in weißem Stuck, dabei plastisch alle Dimensionen erfassend: mit starken Pranken, einem kräftigen Körper, der sich in die Kurve legt, einem Auf und Ab der daran beteiligten Knochen, mit unter der Haut sich abzeichnenden Rippen, einem elegant geschwungenen, ausbalancierenden Schwanz, mit Barthaaren, die zum Streicheln verführen, einem leicht angelegten rechten Ohr, während das linke auf vollem Empfang steht, mit gekreuzten Vorder- und gespreizten Hinterbeinen – einem lebendigen Kontrapost also, der einen Positionswechsel anzeigt, aber unserer Fantasie noch genügend Raum lässt, die Bewegung in alle möglichen Richtungen zu lenken und eine Geschichte zu spinnen.
Mit welchem Ausgang, das bestimmen Sie …

 

Susanne Ulbrich
 

GALERIE KONTRAPOST
Stallbaumstr. 14a
04155 Leipzig
Tel: (0341) 5503290
E-Mail

Aktuelle Ausstellung:

CHRISTOPH SANDIG

"Lichteinfall" (Fotografie)

24.08.-30.09.2016

Vernissage: 24.08.16, 20 Uhr

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

© Galerie Kontrapost Susanne Ulbrich | Datenschutzerklärung | Sitemap | © Webdesign, CMS, Hosting: Web-Agentur LILAC-media Halle
nach oben|Seite drucken