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| "Situation I" (Detail), 2005, Bronze | |
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| "Tiermenschen", 2005, Bronze |
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1942 |
geboren in Königsee / Thüringen |
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1956-1958 |
Lehre als Kerammodelleur in der Sitzendorfer Porzellanmanufaktur |
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1959-1963 |
Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Leipzig, Abteilung Plastik |
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1963-1964 |
Tierpfleger im Zoologischen Garten Leipzig |
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1964-1968 |
freischaffender Künstler in Gera |
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1968 |
Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR Umzug in das ehemalige Prämonstratenserkloster Mildenfurth / Wünschendorf |
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1990 |
Aufnahme in den Verband Bildender Künstler Thüringen |
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1973 |
Kunstausstellung der DDR, Albertinum, Dresden Junge Kunst, Ausstellung junger Künstler der Bezirke Erfurt, Suhl und Gera anlässlich der X. Weltfestspiele, Erfurt |
| 1980 |
Galerie am Markt, Gera |
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1982 |
Kunstausstellung der DDR, Albertinum, Dresden Galerie im Cranachhaus (mit Franz Markau), Weimar |
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1983 |
Junge Bildhauer der DDR, Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg |
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1985 |
Galerie unter den Linden, Berlin (mit Ellena Olsen und Gudrun Petersdorff) Staatliches Museum Schloß Burgk (mit Lutz R. Ketscher und Horst Salukowski) Galerie Carl Blechen (mit Ulrich Lindner), Cottbus |
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1986 |
Miniatur in der Bildenden Kunst der DDR, Altes Rathaus, Fürstenwalde |
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1987 |
Kunstausstellung der DDR, Albertinum, Dresden |
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1988 |
Förderpreis für Porzellanplastik - Porzellan und Farbe - Figurative Plastik der Gegenwart, Städtisches Museum Heilbronn und Badisches Landesmuseum Karlsruhe, (3. Preis) |
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1989 |
8. Internationales Bildhauersymposium Nyiregyhaza, Ungarn Galerie am Hauptmarkt, Gotha IV. Triennale der Kleinplastik, Fellbach / Stuttgart Keramik in der DDR, Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg |
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1990 |
Funktion und Freiheit bildnerischer Keramik aus der DDR, Kiel Miniaturen in der bildenden Kunst der DDR '90, St. Gallen Geraer Künstler, Arnhem / Niederlande Consument Art 90, Nürnberg |
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1991 |
Galerie Un-Art, Weimar Galerie in Zabo, Nürnberg Thüringer Künstler, Kunsthalle Tübingen |
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1992 |
Galerie Rutzmoser, München Toleranzen, Stadtmuseum Jena |
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1993 |
Künstlersonderbund in Deutschland 1.Realismus Triennale, Gropiusbau, Berlin |
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1994 |
Galerie im Schloss Bobingen Realismus heute, Malerei - Graphik - Skulptur, Stadtmuseum Erlangen |
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1995 |
Aufstellung der sechsteiligen Großen Erfurtgruppe vor dem Thüringenhaus, Erfurt Arte Noa - Plastik und Zeichnungen, Schloss Köpenick, Berlin Erste Internationale Eurokunstausstellung, Bitburg Tendenzen - Zeitgenössische Keramik der Gegenwart, Hamburg Skulptura II, Internationale Plastik im Außenraum der Stadt Kevelaer |
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1996 |
Galerie am Salztorhaus (mit Marita Kühn-Leihbecher), Naumburg Künstlersonderbund in Deutschland Die Kraft der Bilder, Internationale Realismusausstellung im Gropiusbau, Berlin Sommerausstellung Schloss Reinbek, Hamburg |
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1997 |
Comptoir-Kunstmagazin, Städtische Galerie Sonneberg Auktion für Dix, Kunstsammlung Gera |
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1998 |
Galerie 2 RN Aakirkeby (mit Marita Kühn-Leihbecher), Bornholm Galerie Rosenkranz (mit Marita Kühn-Leihbecher), Chemnitz Begegnungen - Zeitgenössische Porzellanplastik, Deutsches Porzellanmuseum Hohenberg / Eger |
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1999 |
Auf tönernen Füßen, Kunstpreis der bundesweiten Ausstellung Kunsthaus Ahrenshoop, (1. Preis) Ruth-Leibnitz-Preis für Skulptur, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, (2. Preis) |
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2000 |
KasselErfurt - ErfurtKassel, Kulturbahnhof, Kassel Zweisamkeit - Figurenpaare in der Bildhauerkunst, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg Räume für Kunst - Positionen. Große Kunstausstellung 2000, Haus der Kunst, München Auf den Punkt gebracht. Porzellan für Meißen, Museum für Kunsthandwerk, Grassimuseum, Leipzig |
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2001 |
Galerie des Neuen Rathauses, Wetzlar Künstlersonderbund in Deutschland Mensch - Dasein - Vision, Realismus der Gegenwart, Galerie Wilmersdorf, Berlin NR HA Futurity (Thema: Pferd), Kunstpreis der Deutschen Reining Meisterschaft, Galerie Vostry, Erfurt (2. Preis) pro figura - Bautzener Herbstsalon, Bautzen |
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2002 |
Zum 60. Geburtstag, Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn Der Rote Huzule, Kunstsammlung Gera - Orangerie, Otto-Dix-Haus, Gera Kunststoff, Landeskunstausstellung Thüringen, Erfurt Künstlersonderbund in Deutschland ... und sie erkannten, dass sie nackt waren ..., St. Matthäus Kirche, Kulturforum, Berlin Perron-Kunstpreis der Stadt Frankenthal, Bereich Porzellan, Erkenbert Museum (1. Preis) |
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2003 |
Dialog im Kreuzgang, Skulpturen in Bronze, Reglerkirche Erfurt Zeitgenössische Kunst nach 1945. Aus den Sammlungen des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, Rudolstadt Consument Art, Nürnberg Künstlersonderbund in Deutschland Überblick 2003. Malerei, Grafik, Plastik, Galerie Wilmersdorf, Berlin |
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2004 |
Städtische Galerie Ada (mit Jost Heyder), Meiningen Porzellan, Keramikgalerie terra rossa, Leipzig Tierart, Galerie am Hirschgarten, Erfurt |
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2005 |
Symbiose I (mit Marita Kühn-Leihbecher, Kunsthalle Vogtland, Reichenbach Korrespondenzen III (mit Jost Heyder), Thüringer Landtag Erfurt Künstlersonderbund in Deutschland Kythera vom Geheimnis des Sichtbaren, Kommunale Galerie Wilmersdorf, Berlin Porzellan - eine Rennaisance, Saarländisches Museum Saarbrücken |
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2006 |
Galerie Sophien-Edition (mit Marita Kühn-Leihbecher), Berlin Bilderhaus Krämerbrücke, Galerie Hebecker (mit Kay Voigtmann), Erfurt |
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2007 |
Skulptur und Papier, Ausstellungsprojekt im Klosterareal und der Galerie am Kloster Mildenfurth (mit Marita Kühn-Leihbecher) |
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2009 |
Gegenüber, Galerie Kontrapost, Leipzig |
Kunstsammlungen der Veste Coburg
Brandenburgische Kunstsammlungen, Cottbus
Staatliche Kunstsammlungen Schloss Pillnitz, Dresden
Galerie Junge Kunst, Frankfurt/O.
Kunstsammlung Gera
Staatliche Galerie Moritzburg, Halle/Saale
Städtische Museen Deutschhof, Heilbronn
Museum der Deutschen Porzellanindustrie, Hohenberg/Eger
Museum Leuchtenburg, Porzellansammlung, Kahla
Badisches Landesmuseum, Karlsruhe
Hugenottenhalle, Neu-Isenburg
Internationale Kleinplastiksammlung, Nyiregyhaza (Ungarn)
Kleinplastiksammlung im Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg
Sammlung Ludwig, Oberhausen
Volkmar Kühn, geboren 1942 in Königsee / Thüringen, zeichnet und modelliert schon in seiner frühen Kindheit Dinge, die ihn beeindrucken, vor allem Tiere.
Er lernt zunächst den Beruf des Kerammodelleurs in der Sitzendorfer Porzellanmanufaktur. Darauf folgt ab 1959 das Studium im Bereich Plastik an der Fachschule für Angewandte Kunst in Leipzig: der Unterricht bei dem Tierplastiker Hellmuth Chemnitz, intensives Tierstudium, d.h. Zeichnen und Modellieren im Leipziger Zoo, zusätzliches Aktzeichnen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Gerhard Eichhorn, außerdem die Atelierwohngemeinschaft mit dem Malerstudenten Hartwig Ebersbach, später mit dem Maler und Schriftsteller Sieghard Pohl.
Nach Abschluss des Studiums die Arbeit als Tierpfleger im Zoo Leipzig – im Raubtierhaus und in der Raubvogelabteilung. Damit unweigerlich verbunden die „Begegnung mit den Tieren hinter Gittern“, die Beobachtung der Beziehungen zwischen Tier und Zoobesucher.
Nach dem Umzug von Leipzig nach Gera 1964 folgen erste kommunale Aufträge: die „Paviangruppe“ in Beton, die „Langhalsziege“ und „Sitzendes Paar“ in Bronze.
Bei einer Fahrradtour entdeckt Volkmar Kühn das ehemalige Prämonstratenserkloster Mildenfurth, bezieht 1968 zunächst dessen umgebautes Mittelschiff und später, nach Sanierung und Ausbau, das Stallgebäude im Klosterareal: das Domizil des Bildhauers bis heute, der sich hier, gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Marita Kühn-Leihbecher, der „Symbiose zwischen Historischem, Kunst und Natur“ durch die Organisation von Ausstellungen und Konzerten widmet.
Zeitgleich mit dem Einzug in Mildenfurth die Hinwendung von der Kleinplastik zur lebensgroßen Figur in Gips, Bronze und Beton, wobei erste Zeugnisse aus dieser Phase wie „Diskuswerfer“, „Stehendes Pferd“ oder „Große Ringergruppe“ zerstört sind.
Unverzichtbar wird das Modellieren in Wachs als Vorstufe für die in Ton oder Porzellan gebrannten oder in Bronze gegossenen Plastiken. Kein Wegnehmen also, sondern Aufbauen, Hinzufügen, Modellieren – um sich nicht der vorgegebenen Form eines Baumstamms oder den Maßen eines Steinblocks unterwerfen zu müssen.
Neben der regelmäßigen Präsentation seiner Werke im Thüringer Raum machen zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u.a. im Albertinum/Dresden, im Kloster Unser Lieben Frauen/Magdeburg, im Haus der Kunst/München, im Städtischen Museum Heilbronn, in der Kunsthalle Tübingen, im Stadtmuseum Erlangen, im Saarländischen Museum Saarbrücken sowie in Galerien großer Städte wie Hamburg, Berlin, Nürnberg, Stuttgart, München den Bildhauer Volkmar Kühn überregional bekannt.
Seine Arbeiten befinden sich an vielen Orten im öffentlichen Raum, in Museen und Sammlungen, u.a. in den Kunstsammlungen Schloss Pillnitz/Dresden, in der Staatlichen Galerie Moritzburg/Halle, im Badischen Landesmuseum/Karlsruhe oder in der Sammlung Ludwig/Schloss Oberhausen.
„Gegenüber“ – mit einem Wort ist diese Ausstellung überschrieben, nicht erklärt.
Gegenüber: entweder als Präposition mit Dativ oder als Substantiv – wie auch immer: der Versuch, ein Werk, vielleicht ein Lebenswerk auf den Punkt zu bringen.
Gegenüber: als Wort verwendet zur Beschreibung von Örtlichkeiten, von Positionen, von Standpunkten. Zum Gegenüber gehören mindestens Zwei.
Das Verhältnis der Dinge zueinander.
Das Verhältnis der Menschen zueinander. Zwischenmenschliche Beziehungen. Von Mann zu Frau.
Das Verhältnis zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Zwischen Mensch und Natur. Zwischen Mensch und Tier (das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Tier). Zwischen Vernunft und Instinkt.
Das Verhältnis zwischen Geschichte und Gegenwart. Zwischen mittelalterlicher Klosterarchitektur und zeitgenössischer Plastik.
Zwischen Mensch und Kunst. Zwischen Kunstwerk und Betrachter.
Man denkt auch an „Gegenüberstellung“: in der Kriminalistik gebraucht zur Überführung des Täters. Das ist Konfrontation. Da blickt man der Wahrheit ins Gesicht.
Den Plastiken des Bildhauers ins Gesicht schauen – und wir glauben, immer wieder dasselbe zu erkennen: mit dem langen, etwas nach vorn ausgestellten Kinn, der großen, spitzen Nase und der charakteristischen Stirn. Ohne Alter. Ohne spezifische Kennzeichen.
Keine Abbildung bestimmter Personen. Es geht um den Menschen im Allgemeinen, dem sich alles Gestalterische unterordnet.
Der nackte Mensch bei Volkmar Kühn: kaum differenziert die Geschlechtsmerkmale – und wenn doch, dann mit konkreter Absicht! Kein Muskelpaket, keine Hüfte, kein konvex geformter Po. Dafür die langen, dünnen Gliedmaßen, die übergroßen Hände mit den strahlenförmig gespreizten Fingern.
Die Hand – als ausgreifendes Werkzeug des Menschen ein Mittler zur Umwelt: geben oder nehmen, senden oder empfangen, einladen oder ablehnen, angreifen oder abwehren.
Die rechte Hand des Vorgesetzten sein oder selbst ein glückliches Händchen haben.
Die Hände als wichtigste Ausdrucksträger dieser Plastiken: wie Sensoren greifen sie in den Raum, suchen Halt, versuchen, in Schwindel erregender Höhe die Balance zu halten, Gefahr abzuwenden oder, zum Himmel gerichtet, das Göttliche zu erfassen.
Bei der Installation „Zugeschüttet“ in unmittelbarer Nähe des Klostergemäuers ringen sie nach Befreiung, schreien nach Hilfe und der Betrachter wird zum tatenlos glotzenden Sensationstouristen …
Die Figuren – nicht Handlungsträger einer Geschichte, sondern Personifikationen bestimmter Zustände.
Von Anfang an das Thema Tier – und Volkmar Kühn ist gern auf Augenhöhe mit dem Tier: mit seinem Lama Luise, dem Schaf Karla und der Dogge Franz.
Zootiere aller Art entstehen.
Und immer wieder das Pferd. Bei Platon Symbol der aufsteigenden Seele. Pferde: stehend oder in Bewegung, mit oder ohne Reiter, mit „Sonntagsreiter“, beim Derby, mit gestürztem Reiter. Das gestürzte Pferd. Pferdeköpfe – von Volkmar Kühn seit frühester Kindheit gezeichnet.
An Giebeln aufgehängt, dienten sie als Schutz gegen Dämonen.
Das gefährdete Tier. Das Verhalten des Menschen gegenüber dem Tier: sein seltsamer Versuch einer „Annäherung“.
„Tiermenschen“: Eigentlich eine Vierergruppe aus Löwen-, Stier-, Vogel- und Fischmensch. Das sind auch die vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser. Ihnen zugeordnet wurden im Mittelalter die vier Körpersäfte (gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim) als Ausdruck der vier Temperamente cholera, melancholia, sanguis und phlegma.
Die Einheit innerhalb des menschlichen Organismus und die Einheit des Menschen mit der Natur.
Mikrokosmos und Makrokosmos.
Als Harmonie gedacht.
Die gestörte Harmonie als zentrales Thema in der Kunst Volkmar Kühns.
Es geht um grundlegende Fragen des Menschseins: Der Mensch in seiner zunehmenden Isolation. In seiner Beziehungslosigkeit zu seinem Gegenüber, zu seiner Umwelt.
Der gesichtslose Mensch. Der Schauspieler, der anderen etwas vormacht. Der Mensch mit Maske: kein neues Sujet, aber von Volkmar Kühn 1989 aufgegriffen als Hinweis auf die Vereinsamung des Individuums innerhalb einer sich auflösenden und neu organisierenden Gesellschaft.
Die Entfremdung des Menschen heute und der Verlust einer sozialen Kultur
Das Thema der Bischöfe, der Würdenträger, der Hochwürden, der Herren von hoher Würde: auf hohem Stuhl sitzen sie „Zur gleichen Stunde“: In anderen Sphären schwebend, die Finger – als ob es nichts anderes zu tun gäbe – in manieriertem Spiel zusammengeführt. Ohne Bodenhaftung der Füße, ohne Blick nach unten, in die Tiefe, wo im Gleichschritt, in simultaner Choreographie eines Show-Tanzes, mit Pferdeköpfen maskierte Gestalten einem goldenen Anführer folgen.
Oder „Auf gleicher Ebene“: mit verklärtem Blick nach oben, in Ekstase versetzt, jedoch nicht durch inniges Gebet, sondern durch die weltliche Lust, die gesichtslose, verlockende Verführerin, die mit ihren spitz ausladenden Reizen selbst vor dem Betrachter nicht zurückschreckt.
Seit Mitte der 90er Jahre beschäftigt Volkmar Kühn das Prinzip der Reihung: nicht aufgefasst als Serie, als stupide Wiederholung gleicher Formen, sondern als Aufeinanderfolge gleichartiger, aber jeweils minimal differenzierter Grundhaltungen. Situationen. Oder „Situation I/II“: die Betonung oder das explizite Hervortreten einer bestimmten künstlerischen Aussage als Resultat dieser Technik.
Die Frage nach dem Verhältnis des Einzelnen zur Gruppe.
Die Frage nach Individualität, nach freiem Denken und Handeln.
Die Frage nach der Möglichkeit auszubrechen, die Richtung zu ändern.
Die Frage nach Zugehörigkeit, nach Hörigkeit.
Die Frage nach blindem Gehorsam.
Verschiedenes trifft aufeinander, ohne tatsächlich zusammen zu kommen:
Wohin das alles führt, bleibt dem Betrachter überlassen.
Susanne Ulbrich
Aktuelle Ausstellung:
KRISTOF GRUNERT
"Raubzeug"
Plastik und Zeichnung
18.01. bis 03.03.2012
Vernissage: 18.01.12, 20 Uhr