| "Marie I", 2010, Polystyrol, Ton, Gips | |
| "Schwester Klothilde", 2007, Gips, Acryl | |
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| "Sumo", 2007, Wachs | |
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| "Cowboy", 2007, Gießharz/Polyurethan, Gips | |
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| "Reisende", 2007, Gießharz/Polyurethan, Gips |
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1979 |
geboren in Erfurt |
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1996-1998 |
Fachoberschule für Gestaltung, Erfurt / Fachhochschulreife |
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1998-2001 |
Ausbildung zur Holzbildhauerin, Empfertshausen |
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1999 |
Teilnahme am Wettbewerb „Denkmal Point Alpha“, 2. Platz |
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2001-2002 |
Soziales Jahr / Kindertagesstätte Lebenshilfe e.V. |
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2002-2007 |
Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden / Klasse Prof. Martin Honert |
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2003 |
Teilnahme am Holzbildhauersymposium in Laas |
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2005 |
Teilnahme am Steinbildhauersymposium bei Wehlen |
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2005-2006 |
Auslandssemester in Warschau |
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2006 |
Ausstellung in Zwickau |
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2007 |
Diplom |
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Geburt der Tochter |
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seit 2008 |
Meisterschülerstudium bei Prof. Martin Honert |
Die Welt der Kinder: ein Dschungel, unzugänglich für uns Erwachsene: wie sie denken, wie sie fühlen – vergessen. Ihr Raum ist nicht unser Raum, ihre Zeit nicht unsere. Ihnen gehört der Augenblick, während wir um die Vergangenheit trauern und die Zukunft fürchten oder die Zerstörung der von uns festgelegten Ordnung. Ihre Welt ist eine andere. Man kommt einfach nicht zusammen – bestenfalls am Tisch zum Essen, wenn überhaupt …
Wann redet man über Kinder – außerhalb der Spielplatzgrenzen?
Wenn sie vermisst oder missbraucht werden oder vom Rottweiler zerfetzt, haben sie die sichere Chance auf ein Titelbild. Gesellschaftlich wertvoll sind sie als potentielle Arbeitskräfte, dringend benötigt für die Zukunft der Alten, zur Aufrechterhaltung des Staates, der ja gerade dabei ist, „sich abzuschaffen“. Die Wirtschaft ist scharf auf ihr Taschengeld, das schwindelerregende Beträge erzielt. Auch sonst sind Kinder übergewichtig. Außerdem haben sie Sprachfehler und singen keine Volkslieder mehr. Sie stehen in der Straßenbahn nicht auf, übertrumpfen sich mit elf beim Komasaufen, sie machen unerträglichen Lärm und sind deshalb – laut Empfehlung eines Leipziger Rechtsanwalts – „auf den Radius abschließbarer Räume zu verweisen“.
Auch in der Kunst sind sie lange nur Beiwerk: in Gestalt von nackten, pausbäckigen Knaben mit gelocktem Haar, beladen mit symbolischem oder allegorischem Gehalt.
Als Zeichen der Wiedergeburt auf Grabterrakotten.
Als olympische Gottheiten, die im Säuglingsalter Schlangen erwürgen, mit Liebespfeilen um sich schießen oder Wein trinken.
Als Sohn Gottes auf dem Schoß der Maria – manchmal lässig zum kleinen Johannes herabblickend: der Jesusknabe, Prototyp des Kindes im Mittelalter. Andere kommen kaum aufs Bild.
Später verewigen sich Fürsten in Öl und lassen dabei ihren Nachwuchs, nun auch Mädchen mit Schleifen im Haar und viel zu engen Kleidern, posieren für den Porträtmaler des Hofes – im totalen Kontrast zu den ausgelassen spielenden, Schlittschuh laufenden, in die Ecke pinkelnden oder sich prügelnden Kindern niederländischer Genrebilder.
Erst im 19. und 20. Jh. nimmt man Kinder als eigenständige Persönlichkeiten ins Visier und erweitert die Ansicht von einer scheinbar unbeschwerten, idyllischen Kindheit um andere Dimensionen: Verletzlichkeit, Angst, Einsamkeit und Gewalt.
„Kindskopf“ als Titel dieser Ausstellung.
Melanie Fieger, 1979 in Erfurt geboren, lernte zunächst an der Fachoberschule für Gestaltung in Erfurt, absolvierte dann eine Holzbildhauerlehre am Staatlichen Berufsbildungszentrum Bad Salzungen und studierte ab 2002 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden beim namhaften Professor Martin Honert, nach der Geburt ihrer Tochter bis zum Abschluss im Oktober 2010 als dessen Meisterschülerin.
Schon während ihrer Lehrzeit erreichte sie beim Wettbewerb „Denkmal Point Alpha“ den zweiten Platz. Sie nahm an verschiedenen Bildhauersymposien und Ausstellungen teil, u.a. 2005 in der Kustodie der Universität Leipzig.
Melanie Fieger arbeitet realistisch. Dabei verlässt sie die klassischen Bildhauerwerkstoffe Bronze, Stein oder Holz und ersetzt sie souverän durch zeitgenössisches Material wie Polystyrol, Gips, Ton, Wachs, Bauschaum und Kunststoff – manchmal alles auf einmal. Die Materialvielfalt – sicher ein Ergebnis ihres Studiums an der Dresdner Hochschule, an der das Experimentieren und der Gegenwartsbezug der Kunst gefordert werden.
Ihre Figuren sind gegenwärtig. Aus dem Leben gegriffen. Motiviert durch eigene Erfahrungen oder Beobachtungen des Alltags.
Durch Träume. Kinderträume. Cowboy, Seemann, Krieger – sie verkörpern Größeres als unsere Fantasien mit Villa, Benz und dem neusten Handy. Sie symbolisieren essentielle Sehnsüchte des Menschen, die momentan und zunehmend negiert werden.
Und wie ein Sumo-Ringer den Gegner umlegen – das wär` doch mal was!
Konkurrenzlos: der Traum vom Fliegen …
Die Werke stehen für sich selbst und weisen doch über ihre äußere Erscheinung hinaus – nicht nur mit einem ausgestreckten Zeigefinger. Sie laden den Betrachter ein zur Auseinandersetzung mit einer Lebensphase, die wie keine andere im Dasein des Menschen dessen Innerstes formt.
„Gebt den Kindern das Kommando“, hören wir Grönemeyer singen.
Susanne Ulbrich
Aktuelle Ausstellung:
KRISTOF GRUNERT
"Raubzeug"
Plastik und Zeichnung
18.01. bis 03.03.2012
Vernissage: 18.01.12, 20 Uhr