| "Kafka und Rotpeter", 2008, gebrannter Ton, Farbe | |
| "Kafka zielt", 2007, gebrannter Ton, Farbe | |
| "Kippa", 2009, gebrannter Ton, Farbe | |
| "Scheinesser in Badehose", 2004/2010, gebrannter Ton, Farbe | |
| aus "Kafkarawane", 2009, gebrannter Ton, Farbe | |
| "Affenliebe", 2009, gebrannter Ton, Farbe | |
| Hannah, rauchend, 2006, gebrannter Ton, Farbe |
|
1977-1983 |
Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Fred Thieler und Prof. Dieter Appelt
|
|
seit 1995 |
vielfältige Kunstinstallationen und Performances zu Friedrich Nietzsche, Giordano Bruno, Martin Heidegger, Heinrich von Kleist, Marquis de Sade, George Bataille, Peter Sloterdijk, Franz Kafka, Walter Benjamin, Hans Henny Jahnn, Rolf Dieter Brinkmann und Hannah Arendt
|
|
seit 2000 |
Hirnsetzungen, u.a. Einsteinturm Potsdam, Museum für Kommunikation Berlin, Uluru, Australien, Charitè Berlin
|
|
2001 |
Scham (mit dem Gravity Researche Institut), Sydney
|
|
2002-2004 |
Lonelinesstraining (mit Andrew Morrish), Internationales Tanzfestival Hannover, Theater Heilbronn, Theater-Spektakel Zürich
|
|
2002 |
Denkbar ist alles ist denkbar ..., Italienisches Kulturinstitut, Berlin
|
|
2004 |
All I want is space for me, DNA Galerie, Berlin Herrn L`s Neue Weltgesellschaft für Glück, nach seinem eigenen Vorbild und dem seines pragmatischen Vaters, Theater-Spektakel Zürich S` Käthchenschmeißen oder: wie ein Horizont zum Hinterhalt wird, Neuer Berliner Kunstverein Ersatzmensch, Museum Heilbronn (Kat.)
|
|
2005 |
Gründung der Performancegruppe UNOS UNITED Rundlederwelten, Martin-Gropius-Bau Berlin Vom Sein und Machen was man ist, Deutsches Hygiene-Museum Dresden (Kat.) DNA Galerie, Berlin
|
|
2006 |
Das Lachen der Hannah Arendt, Landesvertretung Niedersachsen, Berlin (Kat.) Hannah Arendt Denkraum, ehem. jüdische Mädchenschule, Berlin (Kat.) Menschenparkarena, Theaterstück von Volker März mit UNOS UNITED, Sophiensäle, Berlin Macht und Sinn, mit UNOS UNITED, Patras, Griechenland Meister der Welt, mit UNOS UNITED, Magdeburg, Mannheim
|
|
2007 |
Innereienreinigung, Luecke und Partner, Berlin Kafkas neue Kleider, Kunsthaus Potsdam
|
|
2008 |
Performance, Art Train, Zürich - Basel Kafka lebt, Galerie Römerapotheke, Zürich Kafka in Israel, Kunstverein Mannheim The long forgetting, Zusammenarbeit mit der Zeitgenössischen Oper Berlin Maerzmusik, Galerie Helga Hofmann, Niederlande
|
|
2009 |
Chelouche gallery, Tel Aviv Galerie Helga Hofmann, Niederlande Kunstverein Mannheim Herzliya Museum of Contemporary Art, Israel Edwin Scharff Museum, Neu Ulm
|
|
2004 |
Auratransfair Schrift - Bilder - Denken: Walter Benjamin und die Kunst der Gegenwart, Haus am Waldsee, Berlin
|
|
2006 |
UNOS UNITED als Teil des Kunst- und Kulturprogramms der BRD zur Fußball-WM 2006
|
|
2007 |
Triennale der Kleinplastik, Murska Sobota, Slowenien Neue Kunst aus Berlin, Kunstmuseum Skopje
|
|
2008 |
Strictly Berlin 008, Galerie der Künste, Berlin Live Originality, Berlin`s contemporary artist, UNC Gallery, Seoul Galerie Helga Hofmann, Amsterdam
|
|
1993 |
Emy-Roeder-Kunstpreis der Stadt Ludwigshafen
|
|
1996 |
Stipendium an der Citè Internationale des Art, Paris
|
|
1997 |
Reisestipendium Rom, Kunststiftung Rheinland-Pfalz |
|
Charitè Berlin Deutsches Hygiene Museum Dresden Haus am Waldsee, Berlin Kultusministerium Rheinland-Pfalz Museum für Kommunikation, Berlin Sammlung der Akademie der Künste, Berlin Skulpturenmuseum Heilbronn Stadt München Private Sammlungen |
|
Herzlich willkommen nach diesem ersten Tag der Buchmesse, zur ersten Ausstellung des Künstlers Volker März in Leipzig!
In den vergangenen Jahren immer wieder heftig und kontrovers diskutiert – zuletzt im Herzliya Museum of Contemporary Art in Israel –, vor einigen Tagen vielfach präsent in den Kunstmedien mit seinem raumgreifenden Auftritt in Karlsruhe – und nun hier, in den kleinen Räumen der Galerie: herzlich willkommen Volker März!
Herzlich willkommen Nina Petri – geliebt und bewundert in Kinofilmen, Fernsehfilmen, Fernsehserien und –Mehrteilern, als Schauspielerin an verschiedenen Theatern in Hamburg, Zürich und bis vor kurzem im Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Filmpreis für „Bin ich schön?“ und „Lola rennt“. Heute Abend nicht in eigener Sache, sondern für die bildende Kunst, für Volker März, für Kafka, für den Verlag für Moderne Kunst und schließlich auch für diese Galerie unterwegs! Vielen, vielen Dank!
Herzlich willkommen Martina Buder und Marion Voigt vom Verlag für Moderne Kunst, der das Kafka-Projekt von Volker März als dessen neustes Buch herausgegeben hat und auf dem Stand C 208 in der Messehalle 5 zusammen mit anderen wunderbaren Büchern unters Lesevolk bringt!
Der März fällt aus dem Rahmen! Das können Sie jetzt auffassen, wie Sie wollen! Gemeint ist allerdings die Eröffnung der Ausstellung durch eine Lesung anstatt Musik. Und bezogen auf den Künstler: dessen Name ist Programm. Der März – nicht Winter, nicht Frühling, so dazwischen. Volker März – als Künstler zwischen allen Stühlen: nicht Maler, nicht Bildhauer, nicht Regisseur, nicht Dichter, nicht Performer, nicht Bühnenbildner. Und doch Maler, Bildhauer, Regisseur, Dichter, Performer und Bühnenbildner. Alles zusammen. Ein in allen Richtungen Kreativer, der sich aller verfügbaren Medien bedient, um seine Idee zu visualisieren. Um eine Botschaft zu vermitteln. Das ist heute bemerkenswert! Schon deshalb eine Provokation innerhalb des Kunstmarkts. Wer hat da noch wirklich was zu sagen?! Ganz abgesehen vom Inhalt …
Volker März, 1957 in Mannheim geboren, studierte von 1977-1983 Malerei an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Fred Thieler und Prof. Dieter Appelt. Bei zahlreichen Ausstellungen, Installationen, Inszenierungen, Fensterwürfen und anderen Spektakeln u.a. in Berlin, Zürich, Seoul, Sydney und Tel Aviv fordert er sein Publikum heraus zum Nachdenken über bedeutende Menschen wie Friedrich Nietzsche, Giordano Bruno, Martin Heidegger, Heinrich von Kleist, Peter Sloterdijk, Walter Benjamin, Hannah Arendt oder Franz Kafka.
Über Persönlichkeiten und Zustände. Über Missstände und ideologische Missbräuche. Über Wahrheiten und Unwahrheiten. Über Verfälschungen historischer Wahrheiten. Über „Scheinesser“ und „Schattenfischer“, „Totalitarismusopfer“ oder die „Weltgesellschaft für Glück“.
2005 gründet Volker März anlässlich der Fußball-WM in Deutschland im Auftrag der DFB-Kunst- und Kulturstiftung die Performance-Gruppe UNOS UNITED – das ist „Die Vereinigung der vereinzeltsten Einzelnen“ –, mit der er die negativen Aspekte des Fußballs wie „Selektion, Nationalismus, Rassismus und Opportunismus“ ins Visier nimmt. Mit riesigen Radiergummis und irritierenden Auftritten sind die Performer an verschiedenen historisch belasteten Orten, darunter auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, gegen das Vergessen und für die kreative Auseinandersetzung mit dem schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte unterwegs.
Und trotzdem: Volker März ist kein Fußballhasser …
Bei all seinen Aktionen legt er den Finger tief in die Wunde – selbstverständlich in dem Bewusstsein, sich damit nicht nur Anhänger zu verschaffen. Er riskiert Kopf und Kragen mit dem Ausspruch „Auschwitz ist menschlich“ – Teil einer künstlerischen Arbeit zum Thema Holocaust und als Leuchtschrift an einem Museum für Moderne Kunst natürlich abgelehnt.
Die Bedeutung des Wortes „menschlich“. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.
Wohl kaum etwas anderes beabsichtigt Volker März, als das Wachrütteln der Gesellschaft – oft missverstanden als reine Provokation.
Aber selbstherrliches, festgefahrenes öffentliches Denken – oder besser: Nichtdenken – ist ja durch beinahe nichts mehr zu erschüttern. Nachdenken. Umdenken. Denken als Arbeit. Denken als Kultur. Die Gedenkkultur der Deutschen, die keine Arbeit mehr macht: Kranzniederlegung, betretene Miene und weiter zur Tagesordnung.
2006 thematisiert er mit einer überdimensionalen Bodenarbeit „Das Lachen der Hannah Arendt“, der deutsch-jüdischen Denkerin, die 1963 zum Prozess des NS-Verbrechers Adolf Eichmann ihren „Bericht von der Banalität des Bösen“ verfasste und eine internationale Welle der Entrüstung auslöste. Das über die Grausamkeiten des Krieges verbreitete laute Lachen – von Volker März in einem riesigen Gemälde eingefangen und erst bei einem gewissen Abstand als Lachen zu erkennen. Das Lachen einer intellektuellen Jüdin, die sich von vorgegebenen Denkmustern distanzierte und somit für den Künstler zu einer wichtigen Protagonistin seiner Plastiken wird.
Distanz – als notwendiger Schritt, um sich ein Bild zu machen. Distanz gewinnen zu den Dingen, zu Personen, zu Ereignissen, um sich – und ich zitiere Volker März – „von aufgepfropften Meinungen und vorgekauten Urteilen, die uns verstopfen und unbeweglich machen“, innerlich zu reinigen.
Die Größe einer Figur als „eine Frage der Distanz“. Zur Vereinfachung komplexer Dinge gehört für Volker März die „profane Handhabmachung von Größe, die lustvolle Zertrümmerung von Idolen und Idealen“. So reduziert er öffentliche Personen, Dichter, Denker und Philosophen auf Handgröße, holt sie vom Sockel, stellt sie zu Hunderten in Lagerregale oder mitten hinein ins öffentliche Leben, vergräbt sie im Sand oder schlimmer: lässt sie vom Meer verschlingen. Manchmal baumeln sie auch als Mobilè von der Decke herab. Wie auch immer: er macht sie zu Puppen und – wie er selbst sagt – „stehlbar und mitnehmbar, wie ein Zitat“.
Seine Figuren bezeichnet er nicht als Skulpturen, eher als dreidimensionale Malerei: aus Ton modellierte, gebrannte und durch wenige, sichere Pinselstriche charakterisierte „Unos“: stereotype Protagonisten, mal eindeutig männlich, mal eindeutig weiblich, oft beides gleichzeitig, mit individuellen Unzulänglichkeiten, Schmerzen, Verletzungen, die sie offenherzig zur Schau stellen in den skurrilen, absurden, witzigen, makabren, grotesken, verzerrenden, immer jedoch intellektuell fundamentierten Szenarien, mit denen Volker März die Menschen in Museumsräumen und Hörsälen, an Stränden, in Instituten, Schweizer Banken, auf Straßen und Plätzen aller Art und in so manchem Galerieraum konfrontiert und verstört, irritiert, zum Denken anstößt, ins Grübeln bringt und zum Lachen, das einem manchmal im Hals stecken bleibt ….
Susanne Ulbrich
Aktuelle Ausstellung:
VOLKER MÄRZ
"Affenstillstand"
21.03.-11.05.2012
Nächste Ausstellung:
KARL-HEINZ APPELT
"Form. Maß. Sinnlichkeit."
23.05.-20.07.2012
Vernissage: 23.05.12, 20 Uhr