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Galerie Kontrapost

Skulpturen | Plastiken | Objekte

 


 

Volker März

 

Beitrag des Bayerischen Fernsehen über Volker März
www.youtube.com/watch 

 

Volker März                       
"Kafka und Rotpeter", 2008, gebrannter Ton, Farbe   
Volker März                   
"Kafka zielt", 2007, gebrannter Ton, Farbe  
Volker März                    
"Kippa", 2009, gebrannter Ton, Farbe  
Volker März                    
"Scheinesser in Badehose", 2004/2010, gebrannter Ton, Farbe  
Volker März  
aus "Kafkarawane", 2009, gebrannter Ton, Farbe  
Volker März    
"Affenliebe", 2009, gebrannter Ton, Farbe  
Volker März  
Hannah, rauchend, 2006, gebrannter Ton, Farbe   



  

1977-1983

Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Fred Thieler und Prof. Dieter Appelt

 

seit 1995              

vielfältige Kunstinstallationen und Performances zu Friedrich Nietzsche, Giordano Bruno, Martin Heidegger, Heinrich von Kleist, Marquis de Sade, George Bataille, Peter Sloterdijk, Franz Kafka, Walter Benjamin, Hans Henny Jahnn, Rolf Dieter Brinkmann und Hannah Arendt

 

seit 2000

Hirnsetzungen, u.a. Einsteinturm Potsdam, Museum für Kommunikation Berlin, Uluru, Australien, Charitè Berlin

 

2001 

Scham (mit dem Gravity Researche Institut), Sydney

 

2002-2004

Lonelinesstraining (mit Andrew Morrish), Internationales Tanzfestival Hannover, Theater Heilbronn, Theater-Spektakel Zürich

 

2002

Denkbar ist alles ist denkbar ..., Italienisches Kulturinstitut, Berlin

 

2004

All I want is space for me, DNA Galerie, Berlin

Herrn L`s Neue Weltgesellschaft für Glück, nach seinem eigenen Vorbild und dem seines pragmatischen Vaters, Theater-Spektakel Zürich

S` Käthchenschmeißen oder: wie ein Horizont zum Hinterhalt wird, Neuer Berliner Kunstverein

Ersatzmensch, Museum Heilbronn (Kat.)

 

2005 

Gründung der Performancegruppe UNOS UNITED

Rundlederwelten, Martin-Gropius-Bau Berlin

Vom Sein und Machen was man ist, Deutsches Hygiene-Museum Dresden (Kat.)

DNA Galerie, Berlin 

 

2006

Das Lachen der Hannah Arendt, Landesvertretung Niedersachsen, Berlin (Kat.)

Hannah Arendt Denkraum, ehem. jüdische Mädchenschule, Berlin (Kat.)

Menschenparkarena, Theaterstück von Volker März mit UNOS UNITED, Sophiensäle, Berlin

Macht und Sinn, mit UNOS UNITED, Patras, Griechenland

Meister der Welt, mit UNOS UNITED, Magdeburg, Mannheim

 

2007

Innereienreinigung, Luecke und Partner, Berlin

Kafkas neue Kleider, Kunsthaus Potsdam

 

2008

Performance, Art Train, Zürich - Basel

Kafka lebt, Galerie Römerapotheke, Zürich

Kafka in Israel, Kunstverein Mannheim

The long forgetting, Zusammenarbeit mit der Zeitgenössischen Oper Berlin

Maerzmusik, Galerie Helga Hofmann, Niederlande

 

2009

Chelouche gallery, Tel Aviv

Galerie Helga Hofmann, Niederlande

Kunstverein Mannheim

Herzliya Museum of Contemporary Art, Israel

Edwin Scharff Museum, Neu Ulm 

 


 

Gruppenausstellungen

 

2004                    

Auratransfair Schrift - Bilder - Denken: Walter Benjamin und die Kunst der Gegenwart, Haus am Waldsee, Berlin

 

2006

UNOS UNITED als Teil des Kunst- und Kulturprogramms der BRD zur Fußball-WM 2006

 

2007

Triennale der Kleinplastik, Murska Sobota, Slowenien

Neue Kunst aus Berlin, Kunstmuseum Skopje

 

2008

Strictly Berlin 008, Galerie der Künste, Berlin

Live Originality, Berlin`s contemporary artist, UNC Gallery, Seoul

Galerie Helga Hofmann, Amsterdam

 

 

 

Preise und Auszeichnungen

 

1993             

Emy-Roeder-Kunstpreis der Stadt Ludwigshafen

 

1996

Stipendium an der Citè Internationale des Art, Paris

 

1997

Reisestipendium Rom, Kunststiftung Rheinland-Pfalz

 

 

 

Ankäufe

Charitè Berlin

Deutsches Hygiene Museum Dresden

Haus am Waldsee, Berlin

Kultusministerium Rheinland-Pfalz

Museum für Kommunikation, Berlin

Sammlung der Akademie der Künste, Berlin

Skulpturenmuseum Heilbronn

Stadt München

Private Sammlungen

 
   
   

Der März kommt im Frühling und das schon zum zweiten Mal!
Herzlich willkommen zur neuen Ausstellung des Künstlers Volker März in Leipzig!
Vielleicht erinnern Sie sich an seinen ersten Auftritt in dieser Galerie vor zwei Jahren mit gleichzeitiger Präsentation seines Buches „Kafka in Israel“ durch die Schauspielerin Nina Petri. Die Galerie voller Figuren, zum Teil Akteure seiner fiktiven Kafkageschichte: Kafka mit dem Affen Rotpeter spazierend, Kafka mit Pistole, Kafka mit Fleischmine, Kafka mit Elefanten auf der Schulter. Dazu Walter Benjamin, „fast endgültig“ und „endgültig“ oder die rauchende Hannah Arendt. Außerdem zahlreiche „Totalitarismusopfer“, ein „Schattenfischer“ oder die „Weltgesellschaft für Glück“.
Es ging – und es geht immer noch – um Persönlichkeiten, um personifizierte Zustände, um Missstände und ideologische Missbräuche, um Wahrheiten und Unwahrheiten. Und um Verfälschungen von Wahrheiten.
Volker März, 1957 in Mannheim geboren, studierte von 1977-1983 an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Fred Thieler und Prof. Dieter Appelt Malerei. Aber als Künstler, dem es um die Visualisierung einer Idee, einer Botschaft – nicht selten einer politischen Botschaft – geht, bedient er sich verschiedenster Medien, bewegt er sich zwischen Malerei, Bildhauerei, Dichtung, Film, Installation, Performance und Musik. Dafür reist er in die Welt, zu unzähligen Ausstellungen, Inszenierungen oder Aktionen: u.a. nach Zürich, Seoul, Sydney, Istanbul, Tel Aviv oder Prag. Wo er auch auftritt – in Museen, Galerien, Instituten, auf öffentlichen Plätzen aller Art, zwischen Rolltreppen und Wolkenkratzern, an allen möglichen und unmöglichen Orten – legt er den Finger in die Wunde, provoziert er zum Nachdenken, Umdenken, zum Andenken und Andersdenken, zum Überdenken tradierter Anschauungen über Eingrenzungen und Ausgrenzungen, Gesellschaftssysteme, über den Staat Israel, über Beziehungen, Wertigkeiten, über Menschliches und Unmenschliches, über von Menschen verübte Verbrechen, über Holocaust, über deutsche Geschichte …
Dabei überschreitet er Grenzen und begibt sich in Gefahr durch manche riskanten, politisch unkorrekten, aber immer an der Wahrheit interessierten Äußerungen, ohne dabei eine endgültige Wahrheit für sein Werk zu beanspruchen. Er stellt in Frage, er stellt auch „Fragen ans Glück“, er rüttelt an den Fundamenten verkrusteter Ideologien und sogar an Ikonen der Kunst – an der Ikone der Kunst: Joseph Beuys – etwa mit dem ihm in den Mund gelegten Ausspruch: „Ich bin die Kunst, die Wahrheit und das Leben!“
2005 gründet Volker März die Performancegruppe „Unos United“, die mit überdimensionalen Radiergummis an historisch belasteten Orten gegen das Vergessen deutscher Geschichte vorgeht.
Er veranlasst Fensterstürze, um – mit Blick auf Heinrich von Kleists „Käthchen von Heilbronn“ – für das Thema Missbrauch von Minderjährigen zu sensibilisieren.
Er modelliert unzählige Tonfiguren, mal männlich, mal weiblich, oft beides gleichzeitig, meist halbnackt, mit roten, auf Empfang ausgerichteten Ohren, mit Gesichtern und Körpern, die den jeweiligen Zustand, die Schmerzen, Verletzungen, Bedürfnisse offenherzig zur Schau stellen. Er gibt ihnen Namen aus dem geistigen Umfeld der Hannah Arendt und stopft sie zu Hunderten mit anderen, namenlosen Opfern, Tätern und Mitläufern in Lagerregale, die er dann zum „Denkraum“ erklärt. Er erschafft „Ersatzmenschen“ mit eigenen „Parkregeln“ und mischt sie unter die Exponate der ständigen Ausstellung des Dresdner Hygienemuseums, er lässt „Scheinesser“ in Schweizer Banken sitzen und „Settlers, Soldiers and Survivors“ am Strand von Tel Aviv in die Luft fliegen.
In welcher Form auch immer er sich der Geschichte und ihren Protagonisten nähert – er bewahrt die Distanz zu den Dingen und Ereignissen, die ihm notwendig erscheint, um sich von vorgefertigten Meinungen zu lösen. Demnach ist für ihn auch die Größe einer Figur „eine Frage der Distanz“. Größe ist relativ. Und so holt er sie vom Sockel, stellt sie im kleinen Format mitten ins Leben: die Dichter, Denker, Philosophen, Politiker, Theaterfiguren, Künstler – und immer wieder: Affen!

„Affenstillstand“ als Titel dieser Ausstellung. Nur durch ein „W“ vom „Waffenstillstand“ – dem vielleicht einzigen positiven Stillstand – entfernt. Denn Stillstand bedeutet nicht Stille, sondern Stagnation, Ende, Tod: Stillstand der Entwicklung, Stillstand des Verkehrs, Stillstand des Betriebes, Stillstand der Uhren, Stillstand der Liebe, Atemstillstand, Herzstillstand …
Aber Affenstillstand?
Der Affe (lat. Simia), mit uns Menschen nicht nur am nächsten verwandt, sondern – betrachtet man das Erbgut des Schimpansen – zu 98,7 Prozent identisch!
In Sprichwörtern kommt er nicht gut weg: „sich zum Affen machen“, „seinem Affen Zucker geben“ oder „den Affen auf der Schulter haben“.
Im Zoo und mit Menschenklamotten Fahrrad fahrend im Zirkus oder Film ist er dagegen gern gesehen.
In der Kunst tritt er mit einem Spiegel auf als „eitler Affe“, mit großen Geschlechtsorganen als „geiler Affe“, als „maßloser Affe“ beim Fressen, als Mörder bei Edgar E. Poe. Bis ins späte Mittelalter betrachtet man ihn als Ausgeburt des Teufels, und noch in Meyers Lexikon von 1840 wird er als „bösartig“, „leidenschaftlich“, „unbändig“, „tückisch“ und „rachsüchtig“ beschrieben. Parallel dazu entwickelt sich der Affe zur Allegorie der Kunst: In Bocaccios „De Genealogia Deorum“ ist die Geschichte wiedergegeben, in der Epimetheus, nachdem er eine Statue aus Lehm geschaffen hatte, von Jupiter in einen Affen verwandelt wurde – als Strafe? Oder als Nobilitierung des Künstlers, der in ähnlicher Weise, wie der Affe den Menschen imitiert, die Natur nachbildet? Der Künstler als Affe der Gesellschaft?

In Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“, 1917 in der Zeitschrift „Der Jude“ veröffentlicht, muss sich der gefangene Affe Rotpeter zwischen Unfreiheit im Zoo oder dem eingeschränkten Leben als Künstler im Varietè entscheiden. Er beschließt, ein Mensch zu werden, behält aber das Aussehen eines Affen und tritt, um zu überleben, im Zirkus auf.
Es geht hier um die ambivalente Situation des Künstlers, der sich zwischen allen Stühlen befindet, der innere Befindlichkeiten sichtbar macht und dadurch zum Außenseiter der Gesellschaft wird; zum anderen um die Ausgrenzung Andersdenkender, die nur eine Chance bekommen zu existieren, wenn sie ihre Identität aufgeben.
Die Geschichte von Kafka und Rotpeter, die Volker März seit einigen Jahren zur Grundlage zahlreicher Werke und seines Buches „Kafka in Israel“ macht, geht weiter mit seinem neuen Buch „Kafka auf der Suche nach Pina Bausch“. Der vom Himmel auf die Erde zurückgekehrte Kafka wird ins israelische Innenministerium geladen, weil sich die neu gewählte Regierung für seine Hinrichtung durch die Vorgängerregierung entschuldigen möchte. In einer fiktiven Rede wird ihm der absurde Vorschlag unterbreitet, die Zootüren zu öffnen – angefangen in Tel Aviv – und die Affen in der Menschenwelt aufzunehmen, wo sie „wertvolles Mitgefühl erregen werden“, wie es heißt. Man stellt fest, dass das einzige verbindende Element der in der Knesset Versammelten die Uneinigkeit der Juden ist, die „so unterschiedlich wie die Affen im Zoo von Tel Aviv und überall in der Welt : Hier haben wir die Orthodoxen, dort im Zoo die Paviane, hier die Ultraorthodoxen, dort die Schimpansen, die Gottlosen, die Gorillas, wir haben Militärs, Meerkatzen und traumatageplagte Orang-Utans ohne Ende und hier und da einen Abgeordneten arabischer Abstammung … wie im Zoo das Totenkopfäffchen“. Jedem freigelassenen Affen solle nun die Möglichkeit gegeben werden, „sich zu einem Menschen zu entwickeln“. Gleichzeitig könne sich jeder „kultur- und zivilisationsmüde Mensch“ für ein Affenleben entscheiden.

Nun sind sie also hier, die Affen aus Tel Aviv – oder Berlin, oder Leipzig?: Affen, auf Liebe stehend oder kriechend als Untertan, tanzend, am Arm der Justitia hängend, sitzend, denkend, voller Sehnsucht, das neue Fenster tragend oder den goldenen Soldatenhelm, mit zarten Flügeln beim Flugversuch, schwebend, der Menschheit Beifall klatschend, mit Waffen und ohne.
Ein Affentheater! Und mittendrin Hannah Arendt, Ernst Jünger, Friedrich Nietzsche – und wir.

Danke fürs Stillstehen!

Susanne Ulbrich, März 2012

 

Herzlich willkommen nach diesem ersten Tag der Buchmesse, zur ersten Ausstellung des Künstlers Volker März in Leipzig!
In den vergangenen Jahren immer wieder heftig und kontrovers diskutiert – zuletzt im Herzliya Museum of Contemporary Art in Israel –, vor einigen Tagen vielfach präsent in den Kunstmedien mit seinem raumgreifenden Auftritt in Karlsruhe – und nun hier, in den kleinen Räumen der Galerie: herzlich willkommen Volker März!
Herzlich willkommen Nina Petri – geliebt und bewundert in Kinofilmen, Fernsehfilmen, Fernsehserien und –Mehrteilern, als Schauspielerin an verschiedenen Theatern in Hamburg, Zürich und bis vor kurzem im Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Filmpreis für „Bin ich schön?“ und „Lola rennt“. Heute Abend nicht in eigener Sache, sondern für die bildende Kunst, für Volker März, für Kafka, für den Verlag für Moderne Kunst und schließlich auch für diese Galerie unterwegs! Vielen, vielen Dank!
Herzlich willkommen Martina Buder und Marion Voigt vom Verlag für Moderne Kunst, der das Kafka-Projekt von Volker März als dessen neustes Buch herausgegeben hat und auf dem Stand C 208 in der Messehalle 5 zusammen mit anderen wunderbaren Büchern unters Lesevolk bringt!

Der März fällt aus dem Rahmen! Das können Sie jetzt auffassen, wie Sie wollen! Gemeint ist allerdings die Eröffnung der Ausstellung durch eine Lesung anstatt Musik. Und bezogen auf den Künstler: dessen Name ist Programm. Der März – nicht Winter, nicht Frühling, so dazwischen. Volker März – als Künstler zwischen allen Stühlen: nicht Maler, nicht Bildhauer, nicht Regisseur, nicht Dichter, nicht Performer, nicht Bühnenbildner. Und doch Maler, Bildhauer, Regisseur, Dichter, Performer und Bühnenbildner. Alles zusammen. Ein in allen Richtungen Kreativer, der sich aller verfügbaren Medien bedient, um seine Idee zu visualisieren. Um eine Botschaft zu vermitteln. Das ist heute bemerkenswert! Schon deshalb eine Provokation innerhalb des Kunstmarkts. Wer hat da noch wirklich was zu sagen?! Ganz abgesehen vom Inhalt …
Volker März, 1957 in Mannheim geboren, studierte von 1977-1983 Malerei an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Fred Thieler und Prof. Dieter Appelt. Bei zahlreichen Ausstellungen, Installationen, Inszenierungen, Fensterwürfen und anderen Spektakeln u.a. in Berlin, Zürich, Seoul, Sydney und Tel Aviv fordert er sein Publikum heraus zum Nachdenken über bedeutende Menschen wie Friedrich Nietzsche, Giordano Bruno, Martin Heidegger, Heinrich von Kleist, Peter Sloterdijk, Walter Benjamin, Hannah Arendt oder Franz Kafka.
Über Persönlichkeiten und Zustände. Über Missstände und ideologische Missbräuche. Über Wahrheiten und Unwahrheiten. Über Verfälschungen historischer Wahrheiten. Über „Scheinesser“ und „Schattenfischer“, „Totalitarismusopfer“ oder die „Weltgesellschaft für Glück“.
2005 gründet Volker März anlässlich der Fußball-WM in Deutschland im Auftrag der DFB-Kunst- und Kulturstiftung die Performance-Gruppe UNOS UNITED – das ist „Die Vereinigung der vereinzeltsten Einzelnen“ –, mit der er die negativen Aspekte des Fußballs wie „Selektion, Nationalismus, Rassismus und Opportunismus“ ins Visier nimmt. Mit riesigen Radiergummis und irritierenden Auftritten sind die Performer an verschiedenen historisch belasteten Orten, darunter auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, gegen das Vergessen und für die kreative Auseinandersetzung mit dem schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte unterwegs.
Und trotzdem: Volker März ist kein Fußballhasser …
Bei all seinen Aktionen legt er den Finger tief in die Wunde – selbstverständlich in dem Bewusstsein, sich damit nicht nur Anhänger zu verschaffen. Er riskiert Kopf und Kragen mit dem Ausspruch „Auschwitz ist menschlich“ – Teil einer künstlerischen Arbeit zum Thema Holocaust und als Leuchtschrift an einem Museum für Moderne Kunst natürlich abgelehnt.
Die Bedeutung des Wortes „menschlich“. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.
Wohl kaum etwas anderes beabsichtigt Volker März, als das Wachrütteln der Gesellschaft – oft missverstanden als reine Provokation.
Aber selbstherrliches, festgefahrenes öffentliches Denken – oder besser: Nichtdenken – ist ja durch beinahe nichts mehr zu erschüttern. Nachdenken. Umdenken. Denken als Arbeit. Denken als Kultur. Die Gedenkkultur der Deutschen, die keine Arbeit mehr macht: Kranzniederlegung, betretene Miene und weiter zur Tagesordnung.
2006 thematisiert er mit einer überdimensionalen Bodenarbeit „Das Lachen der Hannah Arendt“, der deutsch-jüdischen Denkerin, die 1963 zum Prozess des NS-Verbrechers Adolf Eichmann ihren „Bericht von der Banalität des Bösen“ verfasste und eine internationale Welle der Entrüstung auslöste. Das über die Grausamkeiten des Krieges verbreitete laute Lachen – von Volker März in einem riesigen Gemälde eingefangen und erst bei einem gewissen Abstand als Lachen zu erkennen. Das Lachen einer intellektuellen Jüdin, die sich von vorgegebenen Denkmustern distanzierte und somit für den Künstler zu einer wichtigen Protagonistin seiner Plastiken wird.
Distanz – als notwendiger Schritt, um sich ein Bild zu machen. Distanz gewinnen zu den Dingen, zu Personen, zu Ereignissen, um sich – und ich zitiere Volker März – „von aufgepfropften Meinungen und vorgekauten Urteilen, die uns verstopfen und unbeweglich machen“, innerlich zu reinigen.
Die Größe einer Figur als „eine Frage der Distanz“. Zur Vereinfachung komplexer Dinge gehört für Volker März die „profane Handhabmachung von Größe, die lustvolle Zertrümmerung von Idolen und Idealen“. So reduziert er öffentliche Personen, Dichter, Denker und Philosophen auf Handgröße, holt sie vom Sockel, stellt sie zu Hunderten in Lagerregale oder mitten hinein ins öffentliche Leben, vergräbt sie im Sand oder schlimmer: lässt sie vom Meer verschlingen. Manchmal baumeln sie auch als Mobilè von der Decke herab. Wie auch immer: er macht sie zu Puppen und – wie er selbst sagt – „stehlbar und mitnehmbar, wie ein Zitat“.
Seine Figuren bezeichnet er nicht als Skulpturen, eher als dreidimensionale Malerei: aus Ton modellierte, gebrannte und durch wenige, sichere Pinselstriche charakterisierte „Unos“: stereotype Protagonisten, mal eindeutig männlich, mal eindeutig weiblich, oft beides gleichzeitig, mit individuellen Unzulänglichkeiten, Schmerzen, Verletzungen, die sie offenherzig zur Schau stellen in den skurrilen, absurden, witzigen, makabren, grotesken, verzerrenden, immer jedoch intellektuell fundamentierten Szenarien, mit denen Volker März die Menschen in Museumsräumen und Hörsälen, an Stränden, in Instituten, Schweizer Banken, auf Straßen und Plätzen aller Art und in so manchem Galerieraum konfrontiert und verstört, irritiert, zum Denken anstößt, ins Grübeln bringt und zum Lachen, das einem manchmal im Hals stecken bleibt ….

Susanne Ulbrich

 

GALERIE KONTRAPOST
Stallbaumstr. 14a
04155 Leipzig
Tel: (0341) 5503290
E-Mail

Aktuelle Ausstellung:

SCHAUFENSTER 4:

SUSANNE WERDIN

"Sechzehntel, changierend"

(Farbholzschnitt)

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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