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Galerie Kontrapost

Skulpturen | Plastiken | Objekte

 Hannes Uhlenhaut

Uhlenhaut, Hannesx  
"Monumenta No. 8", 2012, Porzellan, Scagliola, Höhe: 47 cm  
Uhlenhaut, Hannesx   
"PM No. 3" aus der Serie "Perithoos Marriage", 2010, Porzellan   

 

Vita 

 

1985

geboren in Lauchhammer

2004

Abitur am Burggymnasium Wettin

2005-2011   

Studium an der Hochschule für Kunst und Design Halle - Burg Giebichenstein

2010

Studienaufenthalt in Rom

2011

Diplom

seit 2012

freischaffender Künstler

 

 

Ausstellungen bzw. Ausstellungsbeteiligungen

 

2009                

Grüße aus dem Osten, Galerie Kunstbehandlung, München

 

2010

drei bois, Galerie des Botanischen Gartens Braunschweig
Neue Rituale, Kunstverein Jena
Richard Bampi Preis 2010, Hentjens Museum, Düsseldorf
emergenze arte Roma 2010, Rom
Identity, Galerie Spazio Mecenate, Rom

 

2011

Gallery Opening, TheROOMrome, Rom
Monumenta Uhlenhaut, Monaco Beach Club, Leipzig
Keramikpreis Walter Gebauer, Ankäufe und Preisträger 2005-2011,
Keramik Museum Bürgel

 

2012

Malerei Pur, AABER ART SPACE, München
White Space Project, Adidas Store, Berlin
SonderfART, Galerie Filser&Gräf, München
Diplomausstellung der Hochschule für Kunst und Design Halle – Burg Giebichenstein, Halle
Past – Present – Perfect, Graseweg Galerie, Halle

 

Hannes Uhlenhaut, geboren 1985 in Lauchhammer, studiert von 2005-2011 an der Hochschule für Kunst und Design Halle – Burg Giebichenstein bei den Professoren Antje Scharfe, Karl Fulle, Daniel Kruger und Martin Neubert. Bereits auf mehreren Ausstellungen in Halle, Leipzig, Jena, Bürgel, Berlin, Braunschweig, München, Düsseldorf und Rom macht er auf sich aufmerksam mit seinen kleinfigurigen, frechen, witzigen Szenarien in weißem Porzellan: Porzellanfigürchen? Wir sind doch nicht in Meißen! Porzellan – das ist „weißes Gold“, Luxus, Prunk und Pracht – als Material in der Kunst des 21. Jahrhunderts?! Wo doch Schaumstoff, Lack und Klebepistole angesagt sind?
„Even now!“ – „gerade jetzt!“, „sogar jetzt!“ oder „trotzdem!“. Der Titel dieser Ausstellung, ob als Feststellung oder als Ankündigung eines besonderen Ereignisses gedacht, steht als trotzige Behauptung im Raum. Er verweist auf einen aktuellen Zeitpunkt, auf den Zeitgeist, auf die Zeit im Allgemeinen, die Geschichte schreibt – und jede Zeit hat ihre eigenen Geschichten. Im Nachhinein kann man sie vergleichen.
Traditionen, in einer bestimmten Zeit entwickelt, können die Zeit überdauern. Sie werden gepflegt, aufrechterhalten oder hinterfragt, erweitert, neu kombiniert – manchmal auch verworfen.
Die Tradition, ein Denkmal zu errichten. Die Tradition der Porzellanherstellung.
Die Figuren Hannes Uhlenhauts sind perfekt nach alter Manier gearbeitet, aber doch weit entfernt vom ausschließlichen Dekorationsanspruch des sächsischen Kunsthandwerks. „Tablett No. 5“ – das erste Objekt, das mir bei einer Jahresausstellung der Burg Giebichenstein auffiel: von menschlichen Beinen getragen und mit unzähligen hochgestreckten Armen, die scheinbar ein Pferd zu Fall bringen, als präsentiertes Schauspiel. Die Serie „Perithoos Marriage“ – keine Auflage eines Einzelstücks, sondern szenische Folge der Hochzeit des Perithoos, König der Lapithen, mit Hippodameia, bei der es zum tragischen Kampf mit den betrunkenen Kentauren kommt, als diese versuchen, die Braut samt Brautjungfern zu entführen. Auch andere Werke wie „Ratto delle Sabine“, „David und Goliath“, „The Strange Saga of Judith“ und manche Arbeiten ohne Titel beziehen sich auf griechische Mythologie bzw. biblische Geschichten, die Hannes Uhlenhaut analysiert und mit zeitgenössischen Erzählweisen der Film-, Comic- und Spielindustrie ins Verhältnis setzt. So begegnen uns maskierte Gestalten, Muskelprotze, Superhelden, Spielpüppchen und der für DDR-Kinder legendäre Kunststoffpudel als Protagonisten – vom Künstler zunächst abgeformt und in Porzellan gegossen. Um unabhängig zu sein von den festgelegten Dimensionen der Vorlagen beginnt er dann 2011, die Figuren selbst zu modellieren. Die „Monumenta“-Serie entsteht, seine Diplomarbeit, in der er sich mit Tradition und Wirkung des historischen Reiterstandbildes auseinandersetzt.
Monumentum – ein Denkmal von großen Maßen, durch menschliche Künste geschaffen. Grabmale, Ehrenmale, Mahnmale in Gestalt von Pyramiden, Obelisken, Stelen, architektonischen Konstruktionen und Statuen zur Erinnerung an bedeutende Persönlichkeiten und wichtige Ereignisse, zur Glorifizierung von Obrigkeiten und errungenen Siegen, zum Gedenken an die Gefallenen, Vernichteten, Vergasten auf der anderen Seite.
Das Reiterstandbild als eine seit der Antike weit verbreitete Sonderform der Denkmalskulptur: ein prächtig gekleideter Reiter auf einem schreitenden oder auf den Hinterbeinen stehenden Pferd, getragen von einem mit Relief verzierten Sockel, lebens- oder überlebensgroß, in Bronze gegossen, öffentlichkeitswirksam positioniert zur Demonstration militärischer und politischer Stärke. „Marc Aurel“ in Rom als bekanntestes Beispiel der Antike, vor der Zerstörung durch die Christen nur verschont geblieben, weil diese ihn irrtümlich als Konstantin den Großen identifizierten, der das Christentum zur Staatsreligion erklärt hatte. Die Renaissancekünstler Donatello und Verocchio greifen auf dieses römische Vorbild zurück, um die Söldnerführer Gattamelata in Padua und Colleoni in Venedig in überlegener Position darzustellen. Auch wenn dann im 18. Jahrhundert das Pferd zu kurbettieren beginnt, d.h. eine Folge mehrerer gleicher Sprünge als Galoppübung absolviert, bleibt der Reiter – jetzt absolutistischer Herrscher – auf dem Pferd, bis die Entwicklung dieses Typus durch die Einführung des Autos abbricht.
In der Serie „Monumenta“, ursprünglich zehn Arbeiten, angeregt durch den Studienaufenthalt in Rom 2010, konfrontiert Hannes Uhlenhaut Geschichte mit Gegenwart, schafft er irritierende Bezüge zwischen Barock und moderner Zeit, zwischen Kunst und Popkultur: das Monument auf das Format der Kleinplastik reduziert, die Regenten durch Helden der amerikanischen Comicserie „Street-Sharks“ ausgetauscht – Mischwesen aus Hai und Mensch, durch die Genexperimente eines ehrgeizigen Forschers versehentlich zu gutmütigen anstatt untergebenen Monstern mutiert, die den Kampf gegen ihren größenwahnsinnigen Schöpfer aufnehmen, um dessen Plan einer Weltherrschaft zu vereiteln.
Als Reihe – aber auch als einzelnes Objekt – erzählerisch, repräsentativ inszeniert auf farbigem Stuckmarmor, rundumansichtig, mit einem Sinn für das Spiel und das Verspielte, für das Spiel mit Gewalt, bis ins kleinste Detail lebendig, voller Bewegungen, Verwandlungen, Ausbrüchen und Umbrüchen. Statische Zurschaustellung von Macht wird ersetzt durch rebellischen Kampf um Verhinderung von Herrschaft – auch wenn die Aufmüpfigen heute kein Pferd mehr besteigen ...

Susanne Ulbrich

GALERIE KONTRAPOST
Stallbaumstr. 14a
04155 Leipzig
Tel: (0341) 5503290
E-Mail

Aktuelle Ausstellung:

CHRISTOPH SANDIG

"Lichteinfall" (Fotografie)

24.08.-30.09.2016

Vernissage: 24.08.16, 20 Uhr

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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